Themenbereich: Art- und Struktur der Promotion

Indikator: Kooperative Promotion III (Ausland)

Promovierende an deutschen Hochschulen können nicht nur zeitlich begrenzt im Ausland forschen, sondern Hochschulen im Ausland bzw. dort tätige Wissenschaftler/innen können auch formal an der Betreuung und der Bearbeitung eines Promotionsvorhabens beteiligt sein. Verleihen zwei Universitäten bzw. promotionsberechtigte Hochschulen aus unterschiedlichen Ländern dabei sogar einen gemeinsamen Doktorgrad, so spricht man von einem binationalen Promotionsvorhaben oder synonym mit Verweis auf den französischen Ursprung vom „Cotutelle“-Verfahren. Sinnvoll kann eine solche Kooperation sein, wenn beispielsweise eine wissenschaftliche Karriere oder weitere Tätigkeit in beiden Ländern vorstellbar ist oder das Promotionsthema stark mit dem anderen Land verknüpft ist.

Erläuterung

Der Indikator C6 der Nacaps-Studie gibt den prozentualen Anteil der registrierten Promovierenden an, an deren Promotionsverfahren eine Hochschule im Ausland beteiligt ist. Der Indikator schließt dabei sowohl gemeinsame Abschlüsse einer in- und ausländischer Hochschule ein („cotutelle de thèse“) als auch Kooperationen zwischen einer in- und ausländischen Hochschule, die nicht auf einen gemeinsamen Abschluss abzielen.

In der Vergangenheit wurde jede(r) achte Doktorand(in) während der Promotionsphase für mindestens drei Monate im Ausland tätig (Konsortium Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs 2017: 209). Damit sind Promovierende in Deutschland im internationalen Vergleich eher weniger mobil. Angaben dazu, wie verbreitet bi-nationale Promotionsverfahren bzw. wie häufig Promotionen im Verbund mit ausländischen Hochschulen in Deutschland bereits sind, finden sich bisher kaum. Erste Anhaltspunkte liefert die aktuelle Promovierendenstatistik für das Jahr 2018. Diese beziffert den Anteil, der in einer institutionellen Kooperation mit einer ausländischen Universität promovierte, auf weniger als ein Prozent (Vollmar 2019: 31 ff.). Auch wird derzeit ein Klassifizierungsrahmen diskutiert, der die verschiedenen formalen Kooperationsformen beispielsweise auf Programm- oder Institutionenebene besser quantifizierbar machen soll (Wissenschaftweltoffen 2019: 40, Knight und McNamara 2017).

Quellen:

Konsortium Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs (2017): Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs 2017. Statistische Daten und Forschungsbefunde zu Promovierenden und Promovierten in Deutschland. Hg. v. Konsortium Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Bielefeld.

Knight, J./McNamara, J. (2017): Transnational education: a classification framework and data collection guidelines. London.

Deutscher Akademischer Austauschdienst und Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (2019): Wissenschaft weltoffen 2019. Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung in Deutschland. Bielefeld: wbv, 2019.