Themenbereich: Art- und Struktur der Promotion

Indikator: Mitgliedschaftsstatus in strukturiertem Promotionsprogramm

Grob lassen sich in Deutschland zwei Arten der Promotion unterscheiden. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts stellte die traditionelle Individualpromotion, bei der ein/eine Doktorvater/Doktormutter die Betreuung der Promotion übernimmt die Regelpromotion dar. Spätestens seit des Beginns des Bologna-Prozesses eröffneten sich zunehmend weitere Möglichkeiten der strukturierten Promotion in einem Doktorandenprogramm. Diese Programme orientierten sich an den angelsächsischen graduate schools und stellen in ihrer Konzeption und Umsetzung eine neuartige Form der Promotion dar, welche eher der OECD-Definition der Promotion als dritter Studienabschnitt gerecht wird. Im Grad ihrer Strukturierung stellen die Programme jedoch ein heterogenes Angebot von Kursangeboten, Betreuerteams, Pflichtseminaren, Finanzierungsformen usw. dar.

Erläuterung

Dieser Indikator gibt die prozentualen Anteile befragter registrierter Promovierender an, die ordentliches/assoziiertes/kein Mitglied in einem strukturierten Doktorandenprogramm sind. Hinweis: Als strukturierte Promotionsprogramme werden in Übereinstimmung mit der Definition des novellierten Hochschulstatistikgesetzes (Teil D) Promotionsprogramme, Graduiertenschulen, Graduiertenkollegs und Promotionsstudiengänge verstanden. Dabei werden unter strukturierten Promotionsprogrammen solche Programme der Doktorandenförderung verstanden, die [1] ein strukturiertes Veranstaltungsprogramm für alle Teilnehmenden anbieten, unter gemeinsamer Verantwortung für die Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden durch die beteiligten Hochschullehrer, [2] offenen, wettbewerblichen Aufnahmeverfahren mit Ausschreibung sowie [3] mit Stipendien oder Stellen für zumindest einen Teil der teilnehmenden Doktorandinnen und Doktoranden.

Aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2016 geht hervor, dass im Wintersemester 2014/2015 23 Prozent der Befragten Mitglied in einem strukturierten Doktorand(inn)enprogramm waren. Zwischen den verschiedenen Fächergruppen konnten zum Teil starke Unterschiede in der Verteilung festgestellt werden. So entsprach der Anteil von Programmmitgliedern in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften einem Drittel aller Befragten der besagten Fächergruppe und war damit, relativ betrachtet, am größten. Am geringsten war der Anteil in der Fächergruppe Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit 14 Prozent (Hähnel/Schmiedel 2016: 32 f.)

Quelle: Hähnel, S./Schmiedel, S. (2016): Promovierende in Deutschland. Statistisches Bundesamt. Wiesbaden